Konfuzius-Institut an der Freien Universität Berlin
 

Vorträge

Carl Arendt (1838-1902) und die Entwicklung der Chinawissenschaft

Prof. Dr. Dr. h.c. Mechthild Leutner, Freie Universität Berlin

Vortrag zu der soeben erschienenen Monographie von Mechthild Leutner über Carl Arendt, Dolmetscher und späterer Professor für Chinesisch am Seminar für Orientalische Sprachen an der Berliner Universität. Arendt spielte eine entscheidende  Rolle in der deutschen Kolonialpolitik in China und im Prozess der Professionalisierung der Sinologie. Am Beispiel seiner Lebens- und Werkgeschichte wird die Verflechtung von Kolonial- und Wissensgeschichte auf neuartige Weise analysiert. Unter Einbeziehung sozial- und familiengeschichtlicher Prägungen wird Geschichte "von unten" lebendig gemacht, in der biographischen Dimension werden neue, anschauliche Perspektiven auf koloniale Expansion und Sinologiegeschichte möglich.

Mechthild Leutner präsentiert erstmals die Ergebnisse ihrer Forschung zur frühen Geschichte der deutsch-chinesischen Beziehungen und Carl Arendt, der in den Darstellungen zur Geschichte der Sinologie bislang kaum berücksichtigt wurde.

Mechthild Leutner: Kolonialpolitik und Wissensproduktion. Carl Arendt (1838-1902) und die Entwicklung der Chinawissenschaft. Lit-Verlag: Münster 2016, 730 S. (Berliner Chinastudien 55)

Im Anschluss an den Vortrag wird die gleichnamige Ausstellung eröffnet.

Montag, 20. März 2017, 18:15 Uhr

R. 203 (großer Hörsaal)

Politik und Erinnerung
Wird die Geschichte der Kulturrevolution umgeschrieben?

Prof. Dr. Susanne Weigelin-Schwiedrzik, Universität Wien

Das Jahr 2016 war ein besonderes Erinnerungsjahr, wenn es um die Kulturrevolution geht. 1966 wurde der einstimmige Beschluss des ZK der KPCh über die Kulturrevolution gefasst, 10 Jahre später, so die offizielle Historiographie der VR China, endete die Kulturrevolution mit dem Sturz der sogenannten "Viererbande" im Oktober 1976. 2016 wurde wie alle zehn Jahre seitens der Propagandaabteilung des ZK der KPCh eine öffentliche Diskussion über die Kulturrevolution als nicht empfehlenswert eingestuft. Doch diese Empfehlung hat nicht wirklich Früchte getragen. Der Vortrag beschäftigt sich am Beispiel der Diskussionen zur Kulturrevolution aus den Jahren 2015/2016 mit deren politischen Implikationen und geht der Frage nach, inwieweit sich inzwischen eine alternative Darstellung der Kulturrevolution herausbildet, die im Gegensatz zu offiziellen Parteibeschlüssen eine positivere Einschätzung der Kulturrevolution nahelegt und die Opfer von damals, insbesondere Deng Xiaoping, für die Gewalttätigkeiten der ersten Stunden verantwortlich macht.

Montag, 12. Juni 2017, 18:15 Uhr

R. 203 (großer Hörsaal)

Städte ohne Slums?
Herausforderungen für Chinas Urbanisierung und Stadtplanung

Prof. Dr. Bettina Gransow, Freie Universität Berlin

In seiner offiziellen Selbstrepräsentation stellt China sich als (markt-)sozialistische Gesellschaft dar, in deren Städten es im Unterschied zu anderen Ländern des globalen Südens keine ausgedehnten Slumgebiete gibt. Der Vortrag geht der Frage nach, ob und wie das Modell slumfreier Weltstädte in China verwirklicht werden konnte, welche Herausforderungen sich aus diesem Idealbild für Chinas Urbanisierung und Stadtplanung ergeben und bis zu welchem Grad die Zunahme sozialer Disparitäten durch die physische Beseitigung von städtischen Armutsvierteln aufgefangen werden kann.

Montag, 23. Oktober 2017, 18:15 Uhr

R. 203 (großer Hörsaal)

Chinesische Harmonie, eine europäische Erfindung?

Prof. Dr. Joachim Gentz, Universität Edinburgh

China, vor allem das klassische China, wird heutzutage in westlichen Gesellschaften oft mit Harmonie assoziiert: Die Ausgewogenheit zwischen Yin und Yang, das Fließen der Ströme im Qigong, die Harmonie der Kräfte im Fengshui, das Dao als Prinzip einer natürlichen Harmonie kosmischer Kräfte. Auch den Konfuzianismus kennen wir vor allem als eine Philosophie der sozialen Harmonie. Seit 2005 propagiert die Kommunistische Partei Chinas das Ideal der „harmonischen Gesellschaft“ wieder: nicht als künftiges Ergebnis eines erfolgreich abgeschlossenen Klassenkampfes, sondern als besonderes Merkmal eines genuin chinesischen Weges in die sozialistische Marktwirtschaft. Schauen wir aber in die alten chinesischen Texte, stellt sich heraus, dass es dort kein einheitliches Konzept von Harmonie gibt, sondern eine Reihe von Schriftzeichen, die ganz unterschiedliche Arten von Relationen zwischen unterschiedlichen Bestandteilen eines Ganzen bezeichnen. Auch in den europäischen Diskursen über China taucht der Harmoniebegriff bis ins frühe 20. Jahrhundert nicht auf. Erst von den 1920er Jahren an wird, zuallererst in Europa, der Harmoniebegriff mit China assoziiert. Von dort her wird er dann auch in China übernommen. Ist Chinas Ideal der „harmonischen Gesellschaft” also ureigentlich ein europäisches Ideal?

Montag, 6. November 2017, 18:15 Uhr

R. 203 (großer Hörsaal)

Vergangene Vorträge

Was bewegt die chinesische Intelligenz heute?
Diskussionsrunde

Diskussionsrunde mit Chen Hongjie (Peking- Universität), Bettina Gransow (Freie Universität Berlin) und Qu Jingdong (Peking-Universität) zu den wissenschaftlichen Diskussionen in China und zur Rolle von public intellectuals.

Chen Hongjie ist Professor an der Graduate School of Education, Peking-Universität. Bettina Gransow ist Apl. Professorin am Institut für Sinologie/Chinastudien der FU Berlin. Qu Jingdong ist Professor am Institute of Sociology und Vice President of the Research Institute of Humanities and Social Sciences, Peking-Universität.

Dienstag, 24. Januar 2017

18:15 Uhr